Regionalkonferenz zum Lokalen Aktionsplan am 15.6.2007 im Ratssaal der Stadt Neuruppin

An der Konferenz haben über 60 VertreterInnen von freien Trägern und Institutionen sowie Privatpersonen teilgenommen. Nach der ersten Durchsicht der Ergebnisse der fünf Workshops möchten wir an dieser Stelle einen kurzen, sicherlich noch unvollständigen Überblick über die genannten Problemlagen und Lösungsansätze in den Arbeitsgruppen geben. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für Ihre rege Teilnahme an der Regionalkonferenz und intensive Mitarbeit in den Workshops und werden sie über die weiteren Schritte des Lokalen Aktionsplans auf dem Laufenden halten.

Workshop 1
Kita
Im Kitabereich wurde hauptsächlich bemängelt, dass die Personalschlüssel zu niedrig sind und damit die ErzieherInnen zu wenig Einzelförderung leisten können und bei der Betreuung von Kindern, die Hilfe benötigen, oftmals überfordert sind. Durch Weiterentwicklung pädagogischer Konzepte und Fortbildung der ErzieherInnen können diese Probleme zum Teil aufgefangen werden. Die Zusammenarbeit zwischen Kita und Elternhaus soll verstärkt werden.(Hausbesuche, Familienmediation, Vermittlung von Hilfsangeboten u.a.)

Workshop 2
Schule/Ausbildung
Im Bereich Schule/Ausbildung merkten die TeilnehmerInnen des Workshops an, dass dem Gewaltverhalten der Jugendlichen oft Ohnmachtsehrfahrungen vorausgehen, berufliche Perspektiven fehlen, der Trend zur Abwanderung unvermindert anhält, sich Jugendliche unterschiedlicher Kulturen nicht begegnen und das Bildungsniveau in Richtung "Globales Denken, Multikulturelle Arbeitswelt" zu niedrig ist. Bei der Zielbeschreibung forderten sie mehr demokratische Teilhabe, Mitbestimmung und Bereitstellung von Lernanlässen in der Schule zu den Themen Vielfalt und Differenz, nicht nur mit Menschen anderer Herkunft. Bei Lehrkräften und AusbilderInnen wurden Ängste im Umgang mit dem Thema Rechtsradikalismus ausgemacht, die zum Wegschauen führen. Oft genug gibt es auch rechte Haltungen bei den Lehrkräften. Ziel soll es sein, das Engagement und Verantwortungsgefühl von PädagogInnen, Eltern und kommunalem Umfeld zu stärken. Langfristige Prozesse haben mehr Wirkung als kurzfristige Projektformate.

Workshop 3
Freizeit
Im Workshop Jugendarbeit wurde dargelegt, dass der Druck in vielen Familien auf Kinder und Jugendliche wächst. In der Folge treten Heranwachsende oft der rechten Szene bei, um dort Geborgenheit zu finden. Des weiteren wurde festgestellt, dass generell zu wenig Teilhabe Jugendlicher an demokratischen Prozessen herrscht, sich eine Versorgungshaltung etabliert hat und fehlende Werteerziehung rechtsextremer Gewalt Vorschub leistet. Fremdenfeindlichkeit ist nicht eine Einstellung einiger Weniger sondern offenbar ein Massenphänomen unter Jugendlichen. Die Jugendarbeit muss sich fragen, ob sie die richtigen Angebote für Jugendliche bzw. Problemjugendliche bereithält. Rechtsextreme Jugendliche müssen wieder sozial angebunden werden, aber mit klarer Grenzziehung. Diese Arbeit müssen qualifizierte Fachkräfte in längeren Prozessen übernehmen. Erwachsenen muss ihre Vorbildfunktion mehr als bisher verdeutlicht werden. Politische und kulturelle Bildung braucht Konzepte, die bei den Jugendlichen ankommen. Interkulturelle Begegnung und Begegnung zwischen den Generationen muss verstärkt werden.

Workshop 4
Familie
Die TeilnehmerInnen dieses Workshops gaben an, dass demokratische Beteiligung für Problemfamilien nicht attraktiv ist, da sie damit keine Wirkungserfahrung verbinden. Viele Problemfamilien sind dadurch gekennzeichnet, dass elterliche Erziehungskompetenzen fehlen, keine Werte vermittelt werden, dass es an Geschichtsbewusstsein mangelt und dass sich verbale und physische Gewalt in ihnen ereignet. Gefühlte Stigmatisierung lässt Familien oft wenig Hilfe annehmen. Eltern brauchen dringend Unterstützung bei der Werteerziehung und der Entwicklung sozialer Kompetenzen. Die Angebote für Jugendliche und Kinder müssen möglichst sozialraumorientiert gestaltet werden. Beteiligungsformen müssen entwickelt werden, wo Familien Wirkungen erfahren können. Jedoch ist zu bedenken, dass defizitorientierte Angebote die Gefahr weiterer Stigmatisierung in sich tragen. Anonyme Angebote für Familien zeitigen wenig Erfolg, der Zugang sollte über persönliche Kontakte erfolgen.

Workshop 5
MigrantInnen / Ausländische BesucherInnen
In diesem Workshop wurden folgende Problemlagen gesehen: Fehlende Sprachkenntnisse, nicht anerkannte Schulabschlüsse bzw. Ausbildung verhindern Chancengleichheit und Integration. Unser Bildungssystem wird von MigrantInnen zu wenig verstanden. In vielen gesellschaftlichen Bereichen erleben sie Diskriminierung und das Wegschauen der Einheimischen. Rassismus und Aufmärsche rechter Gruppen verschrecken Gäste und damit wird der Wirtschaftsfaktor Tourismus geschädigt. Auch Investoren, die einen Standort für ein Unternehmen suchen, ziehen nicht an "berüchtigte" Orte. Lösungsansätze: Aufklärung über Status der MigrantInnen schafft bei den MigrantInnen selbst und in der Bevölkerung mehr Rechtssicherheit und Akzeptanz. Die Kompetenzen von MigrantInnen müssen besser und effektiver in Wirtschaft, Gemeinwesen und Tourismus eingesetzt werden. Interkulturelles Lernen zwischen Einheimischen und MigrantInnen soll ermöglicht werden, Spracherwerb der MigrantInnen ist wichtige Voraussetzung für Integration und muss gefördert werden. Bürger und Institutionen müssen für den Schutz von Menschen, vor allem anderer Hautfarbe/ Aussehen sorgen. Wenn MigrantInnen aus rassistischen Gründen zu Opfern werden, sollte Hilfe und Solidarität selbstverständlich sein. Migration und Tourismus müssen als wichtige, positive Wirtschaftsfaktoren in der Gesellschaft verdeutlicht werden - Gastfreundschaft als Leitbild.

Ein Projekt der DGB-Jugendbildungsstätte Zechlin